Die Entstehung der Vorstellungen von Familien in der (deutschsprachigen) Schweiz

 

Die Entstehung der Vorstellungen von Familien in der (deutschsprachigen) Schweiz.

Analysebericht zu Handen der Metropolitankonferenz Zürich

Laufzeit: 1.08.2016 - 31.03. 2017
Projekt "Doing Family" - Teilprojekt A1 - gefördert von der Metropolitankonferenz Zürich

Forschungsgruppe

Dr. Diana Baumgarten (operative Leitung); Jennifer Burri M.A. (Mitarbeitende); Dr. Karin Schwiter (wissenschaftliche Beratung), Prof. Dr. Andrea Maihofer (wissenschaftliche Beratung) 

Ausgangslage

Die in der Schweizer Gesellschaft existierenden Bilder und Vorstellungen davon, was eine Familie ist, sind nicht naturgegeben. Vielmehr sind sie eng verwoben mit den zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte vorherrschenden kulturellen Idealen, religiösen Werten, wirtschaftlichen Voraussetzungen und rechtlichen Bestimmungen. Familie ist somit kein feststehendes, universales Konstrukt, sondern steht in engem Zusammenhang mit den jeweils existierenden sozioökonomischen Verhältnisse. Das heisst, die Art und Weise des sozialen Miteinanders von Menschen wird von den sie umgebenden Umständen enorm beeinflusst. Gleichzeitig wirken die Alltagspraxen der Menschen auf die strukturelle Ebene zurück. 

Was mit ‚Familie‘ gemeint ist, welche Bedeutung ihr zugeschrieben wird und welche sozialen und kulturellen Praktiken damit verbunden sind, hat sich mithin im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder verändert und wird sich auch zukünftig wieder ändern. 

Trotzdem wird auch heute noch oft davon ausgegangen, dass die ‚Zwei-Kind-Familie‘ mit einem ‚Ernährer-Vater‘ und einer ‚Hausfrau-Mutter‘ dem ‚natürlichen Ur-Bild‘ von Familie entspricht. Dass dem nicht so ist, ja selbst der Begriff ‚Familie‘ relativ jung ist, lässt sich am besten durch einem Rückblick in die Geschichte aufzeigen. Dies stellt unserer Meinung nach die beste Methode dar, um diese vermeintliche Ursprünglichkeit als eine solche zu identifizieren.

Unsere Analysen setzen in der sogenannten Vormoderne (1500 bis 1800) ein. Die zu dieser Zeit in der Schweiz vorherrschenden Lebens- und Arbeitsbedingungen unterscheiden sich nicht nur innerhalb verschiedener sozialer Milieus stark, sondern auch nach Regionen und Landesteilen. Erst mit der Entstehung der industriellen Gesellschaft mit ihren kapitalistischen Produktionsbedingungen und dem Aufstieg des Bürgertums (ab 1800) wird ein Standardisierungsprozess in Gang gesetzt, der gegenüber den vormodernen ‚Haus- und Haushaltungsgemeinschaften‘ einzigartig ist. In dieser Zeit entsteht ein spezifisches Familienideal, das unsere Vorstellungen von Familie bis heute bestimmt - das der ‚bürgerlichen Kleinfamilie‘. Es ist gekennzeichnet durch die Trennung von Erwerbs- und Familienleben und durch eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

Den Wandel von vormodernen Haushalts- zu modernen Familienstrukturen sorgfältig nachvollziehen zu können, ist essentiell für das Verständnis aktueller gesellschaftlicher Veränderungsprozesse und den damit einhergehenden Spannungen und Konflikten.

Teilprojekte Doing Family 

‚Doing Family‘ - Teilprojekt A2

Liesen, C. / Sundermann L. M. (2017). Doing Family – Betriebswirtschaftliche Darstellung des Familienalltags als Herstellungsprozess. Unveröffentlichter Analysebericht Teilprojekt A2 der ZHAW zuhanden der Metropolitankonferenz Zürich.

‚Doing Family‘ - Teilprojekt A3

Stern, S. / Gschwend, E. / von Stokar, T. (2017). Doing Family – Unterstützungsleistungen der öffentlichen Hand. Unveröffentlichter Analysebericht Teilprojekt A3 von INFRAS zuhanden der Metropolitankonferenz Zürich.

Kontakt

Andrea Maihofer
Karin Schwiter
Diana Baumgarten 

Publikationen