Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie in den alltäglichen Lebensarrangements von Paaren Geschlecht und Geschlechterverhältnisse konstruiert und reproduziert werden. Ausgangspunkt ist der Ort, an dem Paare einen wichtigen Teil ihres gemeinsamen Alltags verbringen: ihre Wohnung. In qualitativen Interviews wurden Paare zur Gestaltung, Nutzung und Pflege ihrer Wohnräume befragt. Die Analyse konzentrierte sich auf drei Momente, die für das Verhältnis der Geschlechter in Paarbeziehungen konstitutiv sind: die häusliche Arbeitsteilung, Beziehungs- und Liebesideale und die Selbstverhältnisse (Geschlechterbilder) der befragten Frauen und Männer.

Die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse wurde lange Zeit im Sinne einer linearen Veränderung beschrieben. Doch derzeit stellt sie sich als ambivalenter Prozess dar: Grundlegende Veränderungen stehen Beharrungstendenzen gegenüber. Der Bereich der privaten Lebensführung wird in der wissenschaftlichen Debatte als einer der zentralen Orte angesehen, an dem sich diese widersprüchlichen Entwicklungstendenzen beobachten lassen. Als entscheidender Kristallisationspunkt wird dabei die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und das noch immer bestehende Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erachtet. Denn obwohl zunehmend mehr Frauen und Männer ihre Beziehung als Partnerschaft von Gleichen begreifen, weisen statistische Indikatoren auf eine zähe Persistenz der traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung hin.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungstendenzen stellen sich in der Geschlechterforschung zwei zentrale Fragen: Wie kommt es zu Persistenzen innerhalb der sich wandelnden Geschlechterverhältnisse? Und wie sehen die Verbindungen von neuen und alten Mustern konkret aus? Um Antworten auf diese Fragen zu geben, wurde in diesem Projekt eine mikrosoziologische Perspektive eingenommen. Es ging darum, die Logik und Rationalität der Handelnden bzw. ihre Entscheidungen, Handlungsweisen und Normen sichtbar zu machen. Gefragt wurde: Wer macht was in der Wohnung (Arbeitsteilung)? Wie kommen Entscheidungen zustande (Machtverhältnisse)? Welche Konflikte zeigen sich? An welchen Normen orientieren sich die sozialen Akteur:innen (Entscheidungskriterien)? Welche Beziehungs- und Liebesideale (Beziehungskonzepte) spielen dabei eine Rolle? Welche Bedeutungen haben die verschiedenen Tätigkeiten für die Einzelnen als „Frau“ oder „Mann“ (Herstellung von Geschlecht), als Paar und/oder Familie? Welche unterschiedlichen Selbstverhältnisse und Vorstellungen von „Männlichkeit“/„Weiblichkeit“ entwickeln die sozialen Akteur:innen.

Projektleitung
Andrea Maihofer

Projektteam
Tomke König
Christof Arn
Sina Bardill
Katharina Belser

Förderung
SNF

Projektdauer
11/2006 – 02/2010