Promotion: Susann Täschler

Vaterfiguren im aktuellen Spielfilm - erziehungswissenschaftliche Filmanalysen

Die Familie als zentraler Interaktions- und Lebensort und primäre Sozialisationsinstanz (Ecarius, 2007), wurde erst vor Kurzem als Gegenstand der Erziehungswissenschaft entdeckt, wobei eine differenzierte Betrachtung der Elternschaft noch aussteht. Zur Beantwortung der erziehungswissenschaftlich relevanten Frage, wie Eltern-Kind-Verhältnisse im 21. Jahrhundert dargestellt werden, greife ich auf filmisches Quellenmaterial zurück, wobei ich Filme in der Perspektive der Cultural Studies als Dokumente des sozialen Leben lese. Zur Untersuchung von familialen Ordnungen und Verhältnissen stütze ich mich auf pädagogische Generationen- und Geschlechterkonzepte (Müller, 1999/Winterhager-Schmid, 2000/Rendtorff, 2007). Ich erkunde Aushandlungsprozesse des „doing generation“ und des „doing gender“ mit dem Fokus auf Vaterfiguren und frage, wie die Differenz zwischen Vater und Kind, resp. Heranwachsenden filmisch konstruiert und interaktiv bearbeitet wird.
Einer Grundeinheit von dreihundert visionierten Filmen entnehme ich dreissig Spielfilmen pädagogisch relevante Szenen. Das daraus entstandene Sample von hundertsechzig Vater-Kind-Szenen begrenze ich entlang sozial- und filmwissenschaftlicher Kriterien auf einen bearbeitbaren Untersuchungskorpus. Zur Beantwortung der Fragen, wie Verhältnisse zwischen Familienmitgliedern filmisch konstruiert werden, und auf welche Weise Ordnungen in Filmfamilien verhandelt werden, entwickle ich eine Methode, die sich an film-, bild- und sozialwissenschaftlichen Kriterien und Vorgehensweisen orientiert. Die Datenbearbeitung erfolgt dreistufig und beinhaltet die Deskription, die Analyse und die Auswertung der Szenen.

Mit meinem Dissertationsvorhaben strebe ich eine erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit familialer Erziehung und Vaterschaft an, wobei ich den filmischen Gegenstand für die empirische und theoretische Forschung fruchtbar mache.

Auswahlliteratur

Bohnsack, Ralf (2007): Dokumentarische Methode und praxeologische Wissenssoziologie. In: Schützeichel, Rainer (Hrsg.): Handbuch Wissenssoziologie und Wissensforschung. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz. (S. 180-190).
Ecarius, Jutta (2007): Familie. Ein erziehungswissenschaftliches Handbuch. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden.
Imdahl, Max (1996): Cézanne - Bracque - Picasso. Zum Verhältnis zwischen Bildautonomie und Gegenstandssehen. In: Boehm, G. (Hg.): Max Imdahl, Gesammelte Schriften, Band 3: Reflexion – Theorie – Methode. Frankfurt amM. Suhr-kamp (S. 300-380).
Müller, Hans-Rüdiger (1999): Das Generationenverhältnis. Überlegungen zu einem Grundbegriff der Erziehungswissenschaft. In: Zeitschrift für Pädagogik 45/6 (S. 787-805).
Panofsky, Erwin (1975): Ikonographie und Ikonologie. Du Mont Verlag. Köln.
Rendtorff, Barbara (2007): Geschlechteraspekte im Kontext von Familie In: Handbuch Familie, 2007 Ecarius.
Schinkel, Sebastian (2014): Sich zueinander ins Verhältnis setzen. Zur Verräumlichungspraxis im Zusammenleben als Fami-lie. In: Tervooren, A. (Hrsg.): Ethnographie und Differenz in pädagogischen Feldern. Internationale  Entwicklungen erziehungswissenschaftlicher Forschung. Transcript Verlag. Bielefeld. (S. 387-406).
Winterhager-Schmid, Luise (2000): Erfahrung mit der Generationendifferenz. Beltz. Weinheim.
Wulff, Hans J. (2003): Generationsbeziehung und Schwangerschaftproblematik in Spielfilmen der 90er Jahre. In: Ehrenspeck, E./Schäffer, B. (Hrsg.): Film- und Fotoanalyse in der Erziehungswissenschaft. Ein Handbuch. Opladen: Leske + Budrich. (S. 419-436).


Institut für Bildungswissenschaften, Universität Basel

Erstbetreuung: Prof. Dr. Hans-Ulrich Grunder, Institut für Bildungswissenschaften, Universität Basel
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Andrea Maihofer, Zentrum für Gender Studies, Universität Basel
Laufdauer:
2014-2017