Promotion: Melanie Grütter

Die Frau als Gewalttäterin. Über die Wirkungsmacht der Definition von Abweichung in Diskursen des Wissens und ihre Bedeutung für die Konstruktion von Geschlecht

Das Forschungsprojekt mit dem Arbeitstitel „Die Formierung der Wissenskategorie Geschlecht im psychiatrisch-kriminologischen Diskurs 1900-1933“ untersucht die weibliche kriminelle Abweichung im gesellschaftlichen und im öffentlichen Diskurs im genannten Zeitraum.

Die Untersuchung setzt beim Ausnahmeverbrechen Gewaltmord an. Die Historische Kriminalitätsforschung untersucht in der Regel typisch weibliche Verbrechen wie Kinds-oder Gattenmord. Diese Lücke soll hier geschlossen werden.

Die Ausnahmestellung des spektakulären Einzelfalls, den der Gewaltmord, insbesondere begangen durch eine Frau, darstellt und seine intensive Diskussion in der Presse, bildet Normen zu Gewalt und Geschlecht am Bild der Abweichung, der Konstruktion des abnormalen Anderen ex negativo ab und eignet sich daher in doppelter Weise zur Untersuchung.

Dem Untersuchungskonzept liegt ein genealogischer Blick zugrunde; es soll damit eine Möglichkeit eröffnet werden, die gesellschaftlichen und wissenschaftlich erzeugten Wissensinhalte über die abweichende Frau auf die ihnen innewohnenden Stereotypien zu untersuchen und einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Die Kategorisierung weiblicher Kriminalität findet sich bis heute; weibliche Kriminalität ist vornehmlich Bagatelldelikt, findet im persönlichen Nahraum statt und der Anteil an Gewaltverbrechen ist denkbar gering.  Konstruktionen weiblicher Sexualität im Zusammenhang mit krimineller Handlung leisten auch heute noch ihren Beitrag dazu, Geschlechterstereotypien im Kontext von Recht und Justiz zu (re-)produzieren.  Die historische Analyse dient somit einen Blick auf Permanenz und Wandel von Geschlechterverhältnissen und auf gegenwärtige Diskurse um Gewalt und Geschlecht.

Erstgutachterin: Prof. Dr. Andrea Maihofer
Zweitgutachterin: Prof. Dr. Regina Wecker
Promotionsfach:
Gender Studies