eine feministisch-rekonstruktive Geschlechteranalyse alkoholbezogener Nüchternheit (Arbeitstitel)

 

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die symbolisch-materielle Bedeutung von alkoholbezogener Nüchternheit bei der (Re-)Produktion von Geschlechterordnungen und Machtverhältnissen. Ich gehe ausgangs davon aus, dass historisch-gewachsene, patriarchale und (hetero-)normative Machtstrukturen gegenwärtig durch Akteur*innen analytisch sicht- und spürbar werden, die mit dem Alkoholtrinken aufhören. Die feministisch-rekonstruktiv und methodologisch im Sinne einer «Situationsanalyse» (u. a. Clarke/Friese/Washburn 2018, 2022) angelegte Untersuchung nimmt das derzeit über Social Media Plattformen wahrnehmbare Phänomen des Aufhörens zum Ausgangspunkt und fokussiert dabei implizit und explizit verhandelte Geschlechterkonstruktionen.

Folgende Fragen und Dimensionen sind analyseleitend: [1] Wie wurden Geschlechter in Untersuchungen zu Alkohol, Abstinenz und Nüchternheit bisher erforscht beziehungsweise welche Geschlechterkonstruktionen liegen diesen zugrunde? [2] Welche Geschlechterkonstruktionen werden im medialen Diskurs um alkoholbezogene Nüchternheit verhandelt und wie? [3] Wie tragen mediale Kommunikationstechnologien zur Konstitution von Geschlechterordnungen in Verbindung zu Alkohol und Nüchternheit bei? Die Geschlechteranalyse fragt somit nach den machtvollen Bedeutungskonstellationen von Alkohol, Nüchternheit und Geschlecht, die Geschlechterwirklichkeiten (re-)produzieren.

Theoretisch ist die Geschlechteranalyse an der Schnittstelle von Geschlechterforschung, Kultursoziologie und Feministischer Wissenschafts- und Technikforschung situiert. Die Analyse von Geschlecht erfolgt dabei mithilfe von Embodiment und Emplacement als sensibilisierende Arbeitskonzepte, die die theoretische Ausrichtung auf Körper und Räume zugleich heben. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf medialen Kommunikationstechnologien.

Die Untersuchung begann im Frühjahr 2023 mit einer ethnografischen Erkundung medialer Erzeugnisse und einer beginnenden Re-Lektüre von Forschungsarbeiten zum Themenkomplex Alkohol, Nüchternheit und Geschlecht. Aktuell (im Frühjahr 2024) werden leitfadengestützte Photovoice-Interviews (Wang und Burris 1994, 1997) erhoben, mit Personen, die mit dem Alkoholtrinken aufgehört haben und sich auf Instagram hierzu informieren und vernetzen. Dieses Erhebungssample soll das weitere Erhebungsverfahren durch die damit verschränkte Auswertung informieren/anleiten. Dabei werden die Umsetzungsmöglichkeiten partizipativer Ansätze unter der Beachtung feministischer Forschungsethik(en) weiter erkundigt. Im weiteren Verlauf sind die Analyse von Medien (von Literatur bis hin zu Apps) und Expert*innen-Interviews mit Personen aus den Arbeitsbereichen Media, Initiativarbeit, Gesundheit, Aufklärung und Wissenschaft zur weiteren Vertiefung und Kontrastierung vorgesehen.

Promovierende

Anna Kraft