„Die Welt braucht auch Schwestern, nicht Mütter nur.“ Acht ledig gebliebene Schweizer Pfarrerstöchter und deren vier verheiratete Brüder. Entwicklung einer Geschwisterkonstellation 1910 – 1950.

Arlette Schnyder

Acht Schwestern aus einer Pfarrersfamilie suchten einen Lebensweg als ledige Frauen. Ihre vier Brüder heirateten alle. Diese ungewöhnliche Konstellation eröffnet ein spannendes Stück Familiengeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Leben als selbständige ledige Frau war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Ausnahme und galt eher als Unglück. Die acht Schwestern schlugen diesen Lebensweg jedoch nicht mangels Alternativen, sondern nach reiflichen Überlegungen ein. „Die Welt braucht auch Schwestern, nicht Mütter nur“, fasste eine der Ledigen ihre Überzeugung bündig zusammen.

Das unter dem Titel „Geschwistergeschichten“ im Januar 2008 erschienene Buch zeigt Handlungsspielräume, die ledigen Frauen offen standen und die sie sich in einer sich schnell verändernden Gesellschaft neu zu schaffen wussten. Anhand der Frage, wie die acht Schwestern ledig geblieben sind und welche Rolle dabei ihre vier Brüder spielten, entsteht ein eigentliches bürgerliches Sittengemälde. Deutlich sichtbar wird so ein emanzipativer Prozess, der durch das 20. Jahrhundert hindurch unaufhaltsam die Biographien von Frauen veränderte, während sich die Lebensentwürfe der Brüder kaum von denjenigen der Vätergeneration unterschied. Die einzigartigen Quellen (Briefe, Tagebücher, Gedichte sowie offizielle Akten) ermöglichen es, den unterschiedlichen Kommunikationswegen und Erinnerungsstrategien des Geschwisternetzwerkes auf der schillernden Grenze zwischen Geschichte und Geschichten zu folgen.

Dieses Buch basiert auf einer Promotion an der Universität Basel (2006) und wurde von Prof. Dr. Regina Wecker und Prof. Dr. Andrea Maihofer begutachtet.

Keywords

Geschlechtergeschichte, Schweizer Alltagsgeschichte, Geschichte der modernen Familie, Frauenberufsbildung, Politics of Location.