
Das Promotionsprojekt «Problem oder Genuss?» re-formuliert geschlechterreflektierend historisch gewachsene, konstitutive Verbindungen von Alkohol, Nüchternheit und Geschlecht. Im Mittelpunkt der Analyse stehen zeitgenössischen Alkohol- und Nüchternheitsdebatten um Nicht/Trinken und die mit ihnen verbundenen Geschlechterdifferenzen (neben weiteren Differenzdimensionen), -hierarchien und ‑ungleichheiten. Untersuchungsleitend ist dabei die These, dass diese Verbindungen durch Akteur*innen, die mit dem Trinken von Alkohol aufhören, in ihren intermedial-narrativen Verhandlungen spürbar werden.
Die Untersuchung wird von qualitativ ausgerichteten Fragen angeleitet: Wie werden Konstruktionen von Geschlecht (insbesondere Zweigeschlechtlichkeit) in Verbindung mit Alkohol und Nüchternheit narrativ und intermedial wirksam? Welche soziokulturelle Bedeutung und Macht wird durch «wissenschaftliches Wissen» (Wetterer 2010) in kursierenden Narrationen von Alkohol, Nüchternheit und Geschlecht wirksam und welche Rolle spielen dabei zeitgenössisch-populäre Informations- und Kommunikationstechnologien wie Instagram?
Die Analyse von Geschlecht/er verbindet empirisch-theoretische Stränge, die mit Rekurs auf feministische Epistemologien methodisch-methodologisch «situiert» (Haraway 1988) und erarbeitet werden. Dazu gehört eine geschlechterkritische Re-Lektüre einer Auswahl von sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschungsliteratur zu Alkohol, Nüchternheit und Geschlecht durch eine Re-Formulierung der in diesen Narrationen wirksamen Geschlechterkonstruktionen. Für diese Re-Formulierung wird zur Sensibilisierung von der Nicht/Festigkeit von Geschlecht/er die Metaphorik Kristall/isation herangezogen/aktiviert. Eingebettet ist diese Analysestrategie in einem konzeptionell als partizipativ-intermediale Ethnografie entwickelten Untersuchungsansatz, der mittels und jenseits der Social-Media-Plattform «Instagram» (exemplarisch: Laestadius/Witt 2022) kursierender visuell-textueller Geschlechternarrationen an der Schnittstelle von dem Trinken und Nichttrinken von Alkohol feministisch-reflexiv befragt. Für die Untersuchung wurden insgesamt 35 qualitativ-narrative «Photovoice»-Interviews (Wang/Burris 1997) mit Akteur*innen geführt, die mit dem Trinken von Alkohol aufgehört haben und indessen Instagram zu Informations- und Vernetzungszwecken nutzen.
Promovierende
Anna Kraft
Betreuung
Bianca Prietl (Erstbetreuung)
Marion Schulze (Zweitbetreuung)
Laufzeit
02/2023—07/2027
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