Promotion: Yv E. Nay

Feeling Family. Queere Relationalität und Temporalität

Diese Dissertation behandelt die aktuelle, gesellschaftspolitisch kontroverse Debatte um die Frage, wer sich als Familie auszeichnet, auszeichnen kann und darf. Ausgangspunkt sind die Forderungen nach der Öffnung der Ehe und des Rechts auf Elternschaft für gleichgeschlechtliche Paare, die seit einigen Jahren vielerorts im Globalen Norden und Westen – und so auch in der Schweiz – laut werden. Yv E. Nay erörtert die damit verbundenen grundlegenden Veränderungen und politischen Prozesse in der Familienbildung am Beispiel von Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender/Trans* und genderqueeren Personen (LGBT*Q) in der Schweiz.

Aus einer ethnografischen Perspektive zeichnet Nay in dieser Studie nach, wie sich einerseits herrschende Vorstellungen über ‚normale‘ Familien bestehend aus einem verschieden- und cis-geschlechtlichen Paar mit Kindern hin zu Konstellationen mit gleich- und trans*-geschlechtlichen Elternpaare oder Elternteile erweitern und die Wirkmächtigkeit der hegemonialen Norm von Familie schwächen. Andererseits arbeitet Nay heraus, dass sich im Zuge dieser Erweiterung eine normalisierende Verengung im Verständnis familialer Lebensweisen von LGBT*Q beobachten lässt, die paradoxerweise die herrschende Auffassung einer ‚normalen‘ Familie erneut bestärkt. Dabei wird dargelegt, wie Prozesse der Infragestellung sowie der Bestärkung normativer Vorstellungen von Familie nicht bloss ko-existieren, sondern dass und wie sie sich gegenseitig konstituieren.

Darüber hinaus zeigt die Studie, wie die Figur der ‚Regenbogenfamilie‘ als Kristallisationspunkt für die Aufweichung von Normalitätsvorstellungen von Familie dient und gleichzeitig konstitutiv mit einer Verfestigung rassistischer, kulturalisierender und nationalistischer Normen zusammenhängt. Dabei werden die Forderungen nach rechtlicher Anerkennung, das Ideal des Familienglücks und die Stilisierung einer ‚demokratischen‘ und ‚fortschrittlichen‘ Nation untersucht. Die Analysen münden in eine affekt-theoretische Reformulierung des analytischen Begriffs ‚Heteronormativität’ als eine Sehnsucht nach ‚Normalität’ und in einen Vorschlag für eine Konzeption queerfeministischer Politiken, die affektive Paradoxien ins Zentrum stellt.

Publikation:Feeling Family - Affektive Paradoxien der Normalisierung von 'Regenbogenfamilien', Zaglossus 2017.
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